Siegel im EmpCo-Check

Weiter geht’s mit unserer Reihe „Siegel im EmpCo Check“ . Nach BWzero, dem Klimaschutzsiegel der Klimaschutzstiftung Baden-Württemberg, schauen wir uns heute ein Abzeichen an, das die meisten von Ihnen bereits kennen – wenn nicht von der eigenen Website, dann sicher aus dem Lieferantenverzeichnis eines Kunden: die Gold-, Silber- und Platin-Medaillen von EcoVadis .

Der Fall liegt anders als bei BWzero. Und genau das macht ihn für Ihre Nachhaltigkeitskommunikation so relevant.

Was die EmpCo-Richtlinie von einem Siegel verlangt

Ab dem 27. September 2026 dürfen Unternehmen nur noch Nachhaltigkeitssiegel zeigen, die entweder auf einem echten Zertifizierungssystem basieren oder von einer staatlichen Stelle festgesetzt wurden ( Richtlinie (EU) 2024/825 , Anhang I Nr. 2a UGP-Richtlinie). Bei BWzero war die Antwort einfach: eine Landeseinrichtung, die ein geprüftes Kriteriensystem betreibt – beide Voraussetzungen gleichzeitig erfüllt.

Bei EcoVadis fällt eine der beiden Alternativen von vornherein weg.

Was ist EcoVadis eigentlich?

EcoVadis ist keine offizielle Zertifizierungsstelle, sondern ein 2007 gegründetes, privat finanziertes Unternehmen mit Sitz in Paris – unter anderem unterstützt von Investoren wie CVC Capital Partners, BlackRock und General Atlantic (EcoVadis Rechtliches). Die Plattform bewertet die Nachhaltigkeitsleistung von Unternehmen entlang ihrer Lieferketten anhand von 21 Kriterien in vier Themenfeldern: Umwelt, Arbeits- und Menschenrechte, Ethik, nachhaltige Beschaffung. Ergebnis ist eine Bewertung mit Medaillen – Bronze, Silber, Gold, Platin – sowie einem „Committed“-Abzeichen für Unternehmen am Anfang ihres Weges.

Der EmpCo Check: Wo steht EcoVadis?

Die gute Nachricht zuerst: EcoVadis macht auf der eigenen Seite keine unzulässigen Klimaneutralitäts- oder Kompensationsaussagen. Scope-3-Reduktionen werden datenbasiert bewertet, nicht durch Zertifikatskauf schöngerechnet – das entspricht genau dem, was Anhang I Nr. 4b UGP-Richtlinie erforderlich.

Auch methodisch ist EcoVadis transparenter als eine reine Selbstauskunft: Die Kriterien und ihre Gewichtung – Richtlinien 25 %, Maßnahmen 40 %, Ergebnisse 35 % – sind in einem öffentlichen Methodik-Whitepaper dokumentiert, die Bewertung wird von mehr als 500 internen Analystinnen und Analysten geprüft und durch externe Quellen ergänzt ( EcoVadis Methodik-Whitepaper ). Das ist deutlich mehr Substanz, als manche Kritik an ESG-Ratings vermuten lässt.

Aber: Ohne staatliche Trägerschaft muss die gesamte Legitimität über das Kriterium „Zertifizierungssystem“ laufen – und dort bleiben Lücken. Die genaue Punkteberechnung, die Rolle der eingesetzten KI und die konkreten Schwellen für die einzelnen Medaillen legt EcoVadis nicht vollständig offen. Eine externe, akkreditierte Zertifizierungsstelle im Sinne klassischer Umweltzeichen wie dem Blauen Engel oder dem EU Ecolabel gibt es hier nicht – EcoVadis prüft im Wesentlichen sich selbst, mit eigenen Analysten und Analysten.

Der entscheidende Punkt für Ihre Praxis

Das eigentliche EmpCo-Risiko liegt gar nicht bei EcoVadis selbst – sondern bei den Unternehmen, die ihre Medaille zeigen. EcoVadis ist ein B2B-Instrument: entwickelt für Einkauf und Lieferkette, nicht für die Kommunikation gegenüber Endverbraucherinnen und Endverbrauchern. Wird dennoch ein „EcoVadis Gold“-Abzeichen wie ein klassisches Nachhaltigkeitssiegel auf Verpackungen, in der Werbung oder auf der Startseite eingesetzt – etwa mit einem Claim wie „wir sind nachhaltig zertifiziert“ – entsteht schnell ein falscher Eindruck. Denn zertifiziert ist hier niemand. Bewertet schon.

Unser Rat: Nennen Sie eine EcoVadis-Auszeichnung immer korrekt als Bewertung oder Rating , nie als Zertifizierung oder Siegel. Ein Satz wie „Wir wurden von EcoVadis mit Gold für unser Nachhaltigkeitsmanagement bewertet“ ist präzise und EmpCo-sicher. „Wir sind EcoVadis-zertifiziert“ ist es nicht.

Unser Fazit

EcoVadis zeigt, dass nicht jedes bekannte Nachhaltigkeitsabzeichen automatisch ein Siegel im Sinne der EmpCo-Richtlinie ist – und dass die Grenze zwischen Rating und Zertifizierung für die eigene Kommunikation entscheidend ist. Wer die EcoVadis-Bewertung nutzt, sollte sie so einordnen, wie sie tatsächlich gedacht ist: als starkes Argument im B2B-Kontext, nicht als Ersatz für ein echtes Nachhaltigkeitssiegel gegenüber Verbraucherinnen und Verbrauchern.

Sie sind unsicher, ob Ihre Nachhaltigkeitsabzeichen und -claims EmpCo-konform kommuniziert werden? Sprechen Sie uns an – wir prüfen das gemeinsam mit Ihnen.

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