Siegel im EmpCo-Check

BWzero. Klingt nach null Emissionen, oder?

Ab dem 27. September 2026 gilt die EU-Richtlinie „Empowering Consumers“ (EmpCo) und mit ihr wird es für Unternehmen deutlich enger, wenn es um Nachhaltigkeitssiegel geht. Selbst entwickelte „Grüne Blätter“ oder Eigenkreationen ohne unabhängige Prüfung werden dann schlicht verboten (Richtlinie (EU) 2024/825, Anhang I Nr. 2a UGP-Richtlinie). Wer als Unternehmen künftig ein Siegel zeigen will, muss genau hinschauen: Steht dahinter ein echtes Zertifizierungssystem oder nur ein hübsches Logo?

In unserer neuen Reihe „Siegel im EmpCo Check“ nehmen wir deshalb regelmäßig Nachhaltigkeitssiegel unter die Lupe, die in Baden-Württemberg und darüber hinaus vergeben werden. Den Auftakt macht ein Label, das noch recht neu ist, aber schon einiges richtig macht: BWzero der Klimaschutzstiftung Baden-Württemberg.

Was ist BWzero?

BWzero ist ein Gütesiegel für Organisationen, das ambitionierten und nachweislich wirksamen Klimaschutz auszeichnet – mit Fokus auf die Reduktion von Treibhausgasemissionen. Vergeben wird es seit 2025 von der Klimaschutzstiftung Baden-Württemberg, einer Tochter der Baden-Württemberg Stiftung. Zu den ersten ausgezeichneten Organisationen zählen unter anderem das Studierendenwerk Freiburg, das Zeppelin Museum Friedrichshafen und die Staatliche Toto-Lotto GmbH Baden-Württemberg (klimaschutzstiftung-bw.de).

Drei Kriterien liegen der Vergabe zugrunde:

  1. Emissionen ganzheitlich messen – Bilanzierung nach anerkannten Standards wie dem Greenhouse Gas Protocol
  2. Emissionen strategisch senken – mit definierten Zielen und einem Managementplan
  3. Emissionen wirksam verantworten – durch die Förderung geprüfter Klimaschutzprojekte im Globalen Süden und in Baden-Württemberg für die Emissionen, die sich (noch) nicht vermeiden lassen

Geprüft wird das Ganze von einem externen Auditpartner, der DEKRA Assurance Services GmbH, und zwar wiederkehrend: Jede Auszeichnung ist zeitlich befristet und muss regelmäßig erneuert werden.

Der EmpCo Check: Wie schlägt sich BWzero?

Zertifizierung statt Selbstauskunft. Genau das fordert die EmpCo-Richtlinie: Nachhaltigkeitssiegel dürfen künftig nur noch verwendet werden, wenn sie entweder auf einem unabhängigen Zertifizierungssystem beruhen oder von einer staatlichen Stelle festgesetzt wurden (Anhang I Nr. 2a UGP-Richtlinie). BWzero erfüllt beide Voraussetzungen gleichzeitig: ein definiertes Kriteriensystem mit externer Prüfung durch DEKRA und die Trägerschaft durch eine Landeseinrichtung. Damit ist das Label auf der sicheren Seite.

Kein Kompensations-Trick. Die EmpCo-Richtlinie verbietet außerdem, aus reiner CO₂-Kompensation eine „klimaneutrale“ oder „positive“ Klimawirkung abzuleiten (Anhang I Nr. 4b UGP-Richtlinie). Die Klimaschutzstiftung hat das offensichtlich auf dem Schirm: Auf der BWzero-Seite findet sich ein eigener Absatz dazu, in dem ausdrücklich erklärt wird, dass man „bewusst auf Neutralitätsaussagen aufgrund von Kompensation“ verzichtet. Stattdessen wird betont, dass ausgezeichnete Unternehmen zu den Netto-Null-Zielen des Landes beitragen – ein feiner, aber entscheidender Unterschied.

Ein Wort zur Vorsicht: der Name. Trotz der sauberen rechtlichen Einordnung bleibt ein kleines Restrisiko – und das liegt nicht am Label selbst, sondern an seiner Nutzung. Der Name „BWzero“ kann auf den ersten Blick den Eindruck erwecken, ein ausgezeichnetes Unternehmen habe „null Emissionen“. Tatsächlich steht das „Zero“ für den Beitrag zu den Netto-Null-Zielen des Landes – nicht für die Emissionsbilanz des einzelnen Unternehmens. Wer das Siegel in der eigenen Kommunikation zeigt, sollte diesen Unterschied deshalb kurz erläutern, statt sich allein auf den Namen zu verlassen. Ein Satz wie „Wir sind mit BWzero ausgezeichnet, weil wir unsere Emissionen systematisch erfassen, aktiv senken und für unvermeidbare Restemissionen geprüfte Klimaschutzprojekte unterstützen“ ist EmpCo-sicher und transportiert die eigentliche Leistung viel klarer.

Unser Fazit

BWzero zeigt, wie ein Nachhaltigkeitssiegel aussehen kann, das die kommenden EmpCo-Anforderungen nicht nur erfüllt, sondern in Teilen schon vorwegnimmt – transparente Kriterien, unabhängige Prüfung, befristete Vergabe und ein bewusster Verzicht auf plumpe Neutralitätsversprechen. Für Unternehmen in Baden-Württemberg, die ihren Klimaschutz glaubwürdig sichtbar machen wollen, ist das Label eine solide Wahl – vorausgesetzt, die eigene Kommunikation rund um das Siegel bleibt ebenso präzise wie das Siegel selbst.

Sie überlegen, ein Nachhaltigkeitssiegel zu nutzen oder Ihre bestehende Kommunikation auf EmpCo-Konformität prüfen zu lassen? Sprechen Sie uns an – wir schauen gemeinsam genau hin.

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